Das bedeuten die niedrigen Hypozinsen für Eigentümer und Mieter

Die Hypozinsen befinden sich aktuell auf Talfahrt und sind so tief wie schon lange nicht mehr. Was bedeutet das nun für Hauseigentümer und solche, die es werden wollen? Und profitieren auch die Mietenden?

Fredy Hasenmaile, Chefökonom bei Raiffeisen, und Prof. Dr. Donato Scognamiglio von der Immobilienberatung Iazi ordnen die aktuelle Entwicklung ein und beantworten die wichtigsten Fragen.

Auswirkungen auf den Hypothekenmarkt

Hasenmaile: Nach rund zweijähriger Absenz ist der Kostenvorteil im Eigentum wieder zurückgekehrt und «Kaufen» ist aktuell wieder günstiger als «Mieten». Als Folge davon rechnen wir mittelfristig wieder mit einem etwas höheren Preiswachstum.

Scognamiglio: Für die rund 80 Prozent der Eigentümer mit Fixhypotheken haben die aktuellen Zahlen vorerst keinen Einfluss. Sie müssen darauf hoffen, dass die Situation bei der Erneuerung ihrer Hypotheken ähnlich aussieht. Für Eigentümer von Saron-Hypotheken jedoch bedeuten die tiefen Zinsen eine finanzielle Entlastung.

Mieter müssen abwarten, aber dürfen hoffen

Hasenmaile: Der Referenzzinssatz dürfte aufgrund der ergangenen und noch zu erwartenden Leitzinssatzsenkungen sehr wahrscheinlich im Dezember von 1,75 Prozent auf 1,5 Prozent fallen. Spätestens im März 2025 ist dieser Schritt fällig. Das bedeutet für viele Bestandsmieter, dass sie eine Reduktion der Mietzinsen verlangen dürfen. Auf die Neumieten haben die Zinssenkungen aber praktisch keinen Einfluss.

Wie geht es weiter?

Hasenmaile: Wie es weitergeht, entscheiden zwei Dinge: Erstens der Konjunkturverlauf in den USA. Derzeit wird ein Soft-Landing des amerikanischen Arbeitsmarktes und der Konjunktur erwartet. Sollte sich aber eine härtere Landung abzeichnen, werden automatisch stärkere Zinssenkungen erwartet und die Zinsen kommen weiter ins Rutschen.

Zweitens dürfte in diesem Fall der Schweizer Franken tendenziell aufwerten. Geht die Aufwertung zu rasch und zu heftig vonstatten, dürfte die SNB zu einer Reaktion gezwungen werden.
Das weitere Verhalten der Zinsen hängt von der globalen Veränderung und dem Eingreifen der SNB ab.

Scognamiglio: Prophezeiungen sind in diesem Bereich immer schwierig. Angenommen, die Situation auf der Welt bleibt einigermassen gleich, werden weitere Zinsschritte erwartet, was wiederum einen Abwärtstrend zur Folge hätte – eine Gewissheit ist aber nicht gegeben.

Quellenangabe: 20minuten / Jan Janssen